Spielzeit 16/17

Ernst Deutsch Theater, Hamburg

Scherben

Schauspiel von Arthur Miller

Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt/Main

 

Inszenierung: Yves Jansen

Ausstattung: Peter Schmidt

 

Mit: Henry Arnold, Steffen Gräbner, Frank Jordan,  Jasmin Wagner, Isabella Vértes-Schütter

 

Wiederholungstournee

Tourneezeitraum: 04.03.2017 bis 02.04.2017

Zum Inhalt

Kritiken

Arthur Millers Stück ist Psychokrimi und gesellschaftliche Analyse zu­­gleich; ein ebenso unbequemes wie wichtiges Werk der Thea­ter­geschichte. Sylvia Gellburg wird mit der Situation der Juden im Deutschland der Nazis und der Verdrängung des immer stärker aufkommenden Antisemitismus  nicht fertig. Doch der eigentliche Schlüssel zu ihrer Krankheit liegt bei ihrem Mann...

Hamburger Abendblatt, 2001

 

Große Theaterstoffe sind aus verdrängten Gefühlen gestrickt. Arthur Millers Stück „Scherben“ ist solch ein Stück. Yves Jansens Inszenierung konzentriert sich auf Andeutungen, arbeitet mit einem skelettierten Bühnenbild und fokussiert ganz auf die komplexe Psychologie der Figuren.

Hamburger Abendblatt

 

Schritt für Schritt enthüllt die präzise Inszenierung (Regie: Yves Jansen) die Wahrheit über die seit 20 Jahren sexlose Beziehung des Paares.

Auslöser der Krise sind die verheerenden Nachrichten aus Deutschland. Als Sylvia von den Demütigungen der Juden durch die Nazis erfährt, erinnern sie und ihr Ehemann Phillip (ausdrucksstark: Henry Arnold) sich an ihre eigenen wechselseitigen Verletzungen, Ängste und Minderwertigkeitsgefühle. Der mühsam aufrecht erhaltene Schein einer heilen Welt liegt in Scherben ...

Hamburger Morgenpost

Der Autor:

Arthur Miller wurde 1915 als Kind einer jüdischen Familie in New York geboren. Nach der Insolvenz der elterlichen Schneiderei im Jahre 1929 siedelte die polnische Immigrantenfamilie mit ihren Kindern nach Brooklyn über. Nach dem Abschluss der High-School arbeitete Miller in verschiedenen Jobs bis zu seiner Aufnahme an der University of Michigan im Jahre 1934. Dort hatte er sich zunächst für Journalismus eingeschrieben, wechselte aber 1936 ins Hauptfach Anglistik. Auslöser zum Wechsel war der Gewinn des Avery Hopwood Award in Drama für sein Stück "No Villain". Nach diesem Erfolg wurden mehrere Stücke von Miller bis zu seinem Uni-Abschluss 1938 aufgeführt.

 

Miller wurde 1949 als gerade erst 33-jährigem Autor für sein Drama "Death of a Salesman" ("Tod eines Handlungsreisenden") der Pulitzer-Preis verliehen. Die Anspielungen auf Joseph McCarthy und dessen Kommunistenjagd in dem Drama "Hexenjagd" brachten Miller Schwierigkeiten: Er erhielt keinen Pass für die Premiere des Stückes in Belgien, man behinderte sein Filmprojekt über jugendliche Straftäter in New York. Miller weigerte sich auch, im Juni 1956 Namen ihm bekannter Kommunisten vor einem Untersuchungsausschuss zu nennen und wurde deswegen 1957 zu einer Gefängnisstrafe, einer Geldstrafe und zu Passentzug verurteilt. Das Urteil gegen ihn wurde jedoch 1958 aufgehoben. Miller war Mitglied der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Aus: de.wikipedia.org

 

Miller ist der wichtigste Vertreter des gesellschaftskritisch orientierten Theaters in Amerika. Seine Stücke spiegeln die Auswirkungen des Systems und seiner subtilen Unterdrückungsmechanismen auf die Psyche des Individuums wider und demontieren auf diese Art den amerikanischen Erfolgsmythos. Seine Charaktere sind die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, die aber trotzdem versuchen, ihre Würde zu bewahren. Die Bühne ist für ihn "der Ort schlechthin für Ideen, für Philosophien und für gründlichste Auseinandersetzung mit dem menschlichen Schicksal". Aus: Bertelsmann Schauspielführer

 

Der Regisseur:

Yves Jansen studierte an der Staatlichen Schauspielschule Frankfurt/Main. Nach Engagements als Schauspieler unter anderen in Frankfurt, Tübingen, Karlsruhe, Berlin und Basel begann er 1981 mit seiner Arbeit als Regisseur. Seine erste Inszenierung am Ernst Deutsch Theater in Hamburg war das Stück "Olgas Raum" von Dea Loher. Es folgten weitere Arbeiten wie zum Beispiel Hochhuts "Wessis in Weimar" und Ibsens "Hedda Gabler". Am Stadttheater St. Gallen inszenierte er Goethes "Faust I und II". An der Komödie Winterhuder Fährhaus führte er bei Sternheims "Die Hose" und "Gretchen 89ff" Regie. Neben seiner Tätigkeit am Theater ist Yves Jansen auch beim Fernsehen als Schauspieler und Regisseur tätig.

 

Isabella Vértes-Schütter

Isabella Vértes-Schütter ist die Tochter der Opernsängerin Helga Pilarczyk. Nach dem Abitur 1980 am Hamburger Christianeum studierte sie Medizin und schloss das Studium 1987 mit der Promotion zum Dr. med. ab. Zusätzlich machte Isabella Vértes-Schütter eine Schauspielausbildung, wirkte ab 1988 künstlerisch bei der „Hammoniale – Festival der Frauen“ auf Kampnagel mit. Später spielte sie in Hamburg am Ernst Deutsch Theater und am Thalia Theater. Seit 1995 ist Isabella Vértes-Schütter als Nachfolgerin ihres verstorbenen Mannes Friedrich Schütter Intendantin des Ernst Deutsch Theaters.

 

Henry Arnold wurde in Hamburg geboren und wuchs in München auf. Dort besuchte er das Maximiliansgymnasium, an welchem er 1980 das Abitur absolvierte. Noch während der Schulzeit war er Gaststudent für Klavier an der Münchner Musikhochschule. Er studierte Germanistik, Musikwissenschaft, Geschichte und Schauspiel in München, und in den Jahren 1989 und 1990 'Dirigieren' an der HdK Berlin (Heute: UdK Berlin). In Ergänzung seiner künstlerischen Tätigkeit hat er zudem ein Studium der Volkswirtschaftslehre absolviert.

 

Er begann seine Laufbahn zunächst auf der Bühne (u. a. Schillertheater Berlin, Schauspielhaus Zürich) und vor der Kamera – hier fand er als Darsteller des Musikstudenten und späteren Dirigenten und Komponisten Hermann Simon in den Filmen Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend und Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende von Regisseur Edgar Reitz auch international Anerkennung.

 

Er hat in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, vornehmlich in Deutschland, aber auch in Italien (u. a. Il Sogno della Farfalla, Regie Marco Bellocchio, 1994) und in Japan (Ode an die Freude – Baruto no Gakuen, Regie Masanobu Deme, 2006).

 

1995 wurde er für seine darstellerische Leistung in dem Fernsehspiel Ausgerechnet Zoé mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Markus Imboden, Rainer Klausmann, Nicolette Krebitz).

 

Über die Tätigkeit als Schauspieler in Film und Theater hinaus ist er auch vielfach als Regisseur aktiv. Somit verbindet er seine beiden Leidenschaften, die Musik und das Theater. Sein Wechsel in das Regiefach wurde zunächst eingeleitet durch die Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels, so übernahm er im Sommer 2010 die Dramaturgie und Regie-Mitarbeit der Neuinszenierung Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen, und zuletzt Dramaturgie und Neu-Übersetzung des Librettos von George Enescus Oedipe für die Oper Frankfurt (2013). Darüber hinaus hat er seit 2012 eine Lehrauftrag für Dramaturgie an der HAW Hamburg.

 

Seit dem Jahr 2000 hat er zahlreiche Inszenierungen realisiert, so u. a. Lortzings Zar und Zimmermann am Staatstheater Darmstadt (2002), Hoffmanns Erzählungen (Offenbach, Oper Stettin, 2005), Endstation Sehnsucht (T. Williams, Berlin 2005/2006), Die verkaufte Braut (Smetana, 2006) und Die Geschichte vom Soldaten (Strawinsky, 2008) am Stadttheater Gießen, Der König Kandaules (A. Zemlinsky) am Pfalztheater Kaiserslautern (2009) und, wiederum in Gießen, Die lustige Witwe (November 2010), und zuletzt Krankheit der Jugend (F. Bruckner, acud Berlin).

 

Er war Mitglied der internationalen Jury beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg (2004), Gast des German Film Festivals in Australien (2005) und des Heritage Film Festivals in Abu Dhabi (2011). Zuletzt drehte er für die Kinofilme Halbschatten (2013), Viaggio sola (Regie Maria Sole Tognazzi, 2013) und Mein Bruder Robert, (Regie Philip Gröning, 2015) Quelle: Wikipedia