Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus

Unter Verschluss

Thriller von Pere Riera

Aufführungsrechte: henschel Schauspiel Theaterverlag Berlin Gmbh

 

Regie: Harald Weiler

Ausstattung: Lars Peter

mit: Katharina Abt, Sebastian Herrmann,

Felix Lohrengel

 

Tourneezeitraum: 15. September – 05. Oktober 2018

Zum Inhalt

Macht kennt keine Moral. Diese bittere Erfahrung macht TV-Reporterin Sylvia, als sie den Premierminister Victor Bosch der Pädophilie überführen will. Die Enthüllungsjournalistin ist auf Material gestoßen, dass den Premier schwer belastet. Als sie ihn im Interview zur Rede stellen will, wird die ehrgeizige Journalistin vom cleveren Pressesprecher Cáceres eiskalt ausgekontert. Sie muss mit dem ihr verhassten Politiker ein braves Live-Interview führen, in dem der Regierungschef den Sex mit einer Minderjährigen ungeniert leugnet - obwohl der Fotobeweis auf dem Tisch liegt. Der Grund für die Vertuschung: Kurz vor dem Interview wird Sylvias Tochter wegen Drogenhandels verhaftet. Cáceres bietet ihr an, die Sache intern zu regeln, wenn sie die Fotos unter Verschluss hält.

 

Der katalanische Autor Pere Riera zeigt in seinem packenden Schauspiel drei Menschen, die sich unter dem enormen Druck des Medien- und Politikbetriebs der Manipulation bedienen, die ihre Macht missbrauchen und dabei allesamt ihre Integrität verlieren.

 

Kritiken

 

Schweigen gegen Schweigen. Jeder ist irgendwie käuflich. Diese Botschaft inszeniert Regisseur Harald Weiler mit einem hervorragend eingespielten Trio. Allen voran brilliert Katharina Abt als hypernervöse Karrierefrau, deren Schwachstellen von Felix Lohrengel als messerscharf gescheiteltem, aalglattem Politprofi Cáceres gnadenlos ausgenutzt werden. Sebastian Herrmann als Präsident gibt überzeugend den jovialen verantwortungsbewussten Staatschef, der privat seine eigenen Regeln macht. Die Ähnlichkeit mit tatsächlichen Verhältnissen ist in dieser politischen Krimisatire durchaus beabsichtigt und wurde vom begeisterten Publikum schon während der Vorstellung durch anerkennendes Lachen

 gewürdigt. Hamburger Morgenpost

 

Der Thriller von Pere Riera behandelt die stets aktuelle Verquickung von Macht, Medien und Politik. Im Zentrum steht TV-Journalistin Silvia. Sie hat zwar Material, das Missbrauchsvorwürfe gegen den Präsidenten Bosch belegt, hatte diesem zuvor aber mit ihrer Berichterstattung ins Amt geholfen. Als noch ihre Tochter verhaftet wird, gerät sie in einen moralischen Konflikt. Mit Katharina Abt und Regisseur Harald Weiler sind zwei Rolf-Mares-Preisträger beteiligt. Hamburger Abendblatt

 

Pere Riera, in Barcelona schon feste Kultur-Größe und fürs deutsche Theater nach dieser Premiere als Entdeckung zu werten, schrieb eine von Sarkasmus umspülte Text-Partitur, in der jeder pointierte Dialog sein Geheimnis und jede ausgequetschte Erkenntnis ihren Widerspruch in sich mitschleppt. Ständig wollen die drei Figuren, Alpha-Männchen gegen Karriere-Frau, ihre wahren Gedanken verbergen und gleichzeitig den Gegner manipulieren. Latente Zimmerschlacht unter Dialog-Glitzerfolie, oft nah an Yasmina Rezas Giftküchen-Gedankendramatik. Deutsche Bühne

 

Harald Weiler inszenierte das spannende Stück mit einem hervorragend eingespielten Trio: Im packenden Kammerspiel um Verleumdung und Wahrheit gibt es nur drei Hauptdarsteller. Exzellent!

Hamburger Morgenpost am Sonntag

 

Spannend und voller Überraschungen inszeniert. NDR

 

 

Katharina Abt, Schauspielerin

Katharina Abt wurde in München geboren und ist dort auch aufgewachsen. Schon während der Schulzeit stand sie vor der Kamera und sammelte erste schauspielerische Er­­fah­run­gen. Von 1988 bis 1991 besuchte sie die West­­fälische Schauspielschule in Bochum. Ihr erstes Engagement führte Katharina Abt ans Theater Dortmund. Von 1993 bis 1997 war sie fest engagiert am Schauspielhaus Zürich. Seit 1997 arbeitet sie frei für die Bühne und vermehrt auch für das Fernsehen.

Seit Anfang der 2000er Jahre lebt Katharina Abt in Hamburg, bildete sich bei diversen Gesangslehrern zur Sängerin und Musi­cal­darstellerin weiter und überträgt gemeinsam mit Daniel Karasek vorwiegend Theaterstücke vom Englischen ins Deutsche.

 

Felix Lohrengel, Schauspieler

Felix Lohrengel, Jahrgang 1982, studierte von 2004 bis 2008 an der Folkwang-Hochschule in Essen. Schon 2006 war er in dem Film „Von Liebe war nie die Rede“ sowie weiteren Kurz- und Diplomfilmen zu sehen. Am Theater spielte er unter anderem in „Paare und Passanten“ (ZecheEins, Bochum), „The Killer In Me  Is The Killer in You, My Love“ (Theater Bielefeld) und „Linie 1“ (Wuppertaler Bühnen). Unter der Regie von Wolf-Dietrich Sprenger arbeitete er bereits 2007 am Schauspielhaus Bochum in „Die Kleinbürgerhochzeit“. Diese Produktion wurde ebenfalls 2007 mit dem Ensemble- und Publikumspreis beim Bundeswettbewerb der deutschsprachigen Schauspielschulen ausgezeichnet.

 

Sebastian Herrmann, Schauspieler

Sebastian Herrmann wurde in Heidelberg geboren und wuchs in Lüdenscheid auf. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Schauspielerei und zum Film. Nach dem Abitur 1996 studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und schloss das Studium 2000 erfolgreich mit dem Schauspieldiplom ab. Bis 2004 war Sebastian Herrmann fest im Ensemble am Schauspiel Köln, von 2010 bis 2014 am Staatstheater Oldenburg.

Schon während seiner Studienzeit sammelte Sebastian Herrmann Dreherfahrungen bei Film- und Fernsehproduktionen. Sein Spielfilmdebüt als Regisseur gab er 2005 mit „Mimirsbrunnr“, der 2006 mit dem Kamerapreis in New York ausgezeichnet wurde. Zehn Jahre später stellte Herrmann 2015 seinen zweiten Langfilm „Die Abschaffung“ fertig.

 

 

Harald Weiler: Schauspieler und Regisseur

Harald Weiler wurde 1958 geboren; studierte Sport in Köln und absolvierte dort auch seine Ausbildung zum Schauspieler. 1984 bekam er sein erstes Engagement am Thalia Theater in Hamburg. Nach Engagements in Köln, Hannover, Essen, Lübeck und Neuss arbeitet er seit 1997 als freischaffender Schauspieler. Seit Jahren spielt er sehr erfolgreich auf den renommierten Bühnen Hamburgs Theater, dazu gehören u.a. Kampnagel, Hamburger Kammerspiele, Altonaer Theater, Winterhuder Fährhaus und immer wieder auch das Thalia Theater, wo er in den Produktionen von „Liliom“, „Lulu“, „Rose Bernd“, Regie Michael Thalheimer, zu sehen war.

Seit einigen Jahren ist Harald Weiler auch als Regisseur tätig. Seine bisherigen Inszenierungen: „Messer in Hennen“ von David Harrower, „Herren“ von Jan Ericson, „Enigma“ von Eric Emmanuel Schmitt, „Frühlings Erwachen“ nach Frank Wedekind sowie am Altonaer Theater: „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess, „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda/Anna Bech­stein,  „Das Orangenmädchen“ nach dem Roman von Jostein Gaader, „Die Muschelsucher“ nach Rosamunde Pilcher. Am Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus inszenierte er mit großem Erfolg „Der Wind macht das Fähnchen“ von Philipp Löhle. Für diese Arbeit wurde Harald Weiler 2012 mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet.

 

Harald Weiler über die Politintrige

„Unter Verschluss“.

 

Worum geht es in dem Stück von Pere Riera?

Die renommierte Journalistin Silvia stößt auf Fotomaterial, das den Premierminister des Landes des sexuellen Missbrauchs überführt. Nun will sie den Premier im Interview zur Rede stellen, wird aber von dessen Referent abgeschirmt. Er tut alles, um Silvia zu verunsichern.  Herauszufinden, wie intrigant diese drei Menschen miteinander umgehen, ist hoch spannend. Und man lernt wirklich etwas über Macht und Ohnmacht.

 

Sind Sie eigentlich inzwischen lieber Regisseur als Schauspieler?

Wenn Sie wüssten, wie oft ich mir morgens beim Wachwerden diese Frage stelle. Ich kann mich nicht entscheiden, aber das muss ich ja vielleicht auch gar nicht. Allerdings würde ich im Moment sagen, tendenziell möchte ich lieber inszenieren.

 

Wie gefällt es Ihnen eigentlich, als Regisseur so rastlos unterwegs zu sein?

Darüber bin ich extrem glücklich. Seitdem ich den  Rolf-Mares-Preis bekommen habe, werde ich in Hamburg als Regisseur ganz anders beachtet und wahrgenommen. Mir wurden in den letzten Jahren an sehr verschiedenen Häusern schöne Stücke angeboten. Da konnte ich einfach nicht nein sagen.

 

Und das Theater Kontraste war das Sprungbrett für Ihre Regisseurs-Karriere?

Ja, diese Bühne hat meine berufliche Laufbahn maßgeblich beeinflusst. Dass ich beginnen konnte, auch in Hamburg zu inszenieren, verdanke ich Michael Lang, dem damaligen Leiter der Komödie Winterhuder Fährhaus. Als ich ihm vorschlug, die Boulevardkomödie „Die Ratte“ auf die Bühne zu bringen gab er seine Zustimmung.  Interview: Brigitte Scholz

 

 

 

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