Spielzeit 16/17

Verteufelte Zeiten

Lustspiel von Karl Bunje

Regie: Anatol Preissler

Mit: Beate Kiupel, Christin Deuker, Luisa Röhse,

Wolfgang Sommer, Patric Dull und Dieter Schmitt

 

Einer der beliebtesten Ohnsorg – Klassiker in einer Neuinszenierung !

Tourneezeitraum: 10. November 2016 – 10. Januar 2017

Zum Inhalt

 

So ein Lotterleben!, schimpft die tüchtige Magd Taline. Obwohl sie sich, unterstützt von Knecht Jan und dem Flüchtlingsmädchen Marie, tagein, tagaus auf dem Herkenshof abrackert, droht der Hof völlig zu verkommen. Denn Jungbauer Heiko genießt nach seiner Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft das Leben in vollen Zügen: In einem versteckten Alkoven brennt er Schnaps und in der übrigen Zeit amüsiert er sich mit Helga, der flotten Tochter des Dorfpolizisten. Der Landarbeit nicht zugetan, verspricht Heiko, diejenige Frau zu heiraten, die ihm den Stall ausmistet. Doch ahnt er nicht, welche Probleme er sich damit schafft. Denn die nicht mehr taufrische Taline macht sich sofort ans Werk – spielend erfüllt sie sämtliche Bedingungen, die Heiko an die Heirat knüpft. Natürlich ist Helga, die sich selbst den jungen Bauern angeln will, damit absolut nicht einverstanden. Doch so schnell lässt sich Taline nicht abwimmeln - es wäre doch gelacht, wenn  Heiko nicht endlich eine rechtschaffene Bäuerin heiratet und wieder Ruhe und Ordnung auf dem Hof einkehren.

Kritiken

Vier Akte hindurch das herrlichste Theater! Harburger Anzeigen und Nachrichten

 

... dass sich Jungbauer Herkens gleich mit drei Frauen verlobt, klingt nach Polygamie und – wenn die Vielweiberei dann auch noch im Ohnsorg-Theater stattfindet – nach einer turbulenten Komödie. „Verteufelte Zeiten“ hält auch, was es verspricht: ein teuflisches Vergnügen.

Die Welt

 

Nüchtern betrachtet ist das Eheversprechen, mit dem das Lustspiel vorangetrieben wird, zwar eine Schnapsidee, doch Spaß macht’s trotzdem. Denn es enthält tolle Rollen für klasse Schauspieler. Und die hat das Ohnsorg. Hamburger Morgenpost

 

Karl Bunje lässt in seinem Spiel die Schwarzmarktzeit in den Jahren nach dem Krieg wieder aufleben. Es ist ein heiterer Blick, und so haben die Zuschauer ihr Vergnügen. Sie lachen auch über ein Stück voller Komik. Lübecker Nachrichten

 

Der Autor und sein Stück:

Karl Bunje gehört zu den großen Autoren des norddeutschen Volkstheaters. 1897 in Oldenburg geboren, hängte er schon früh den Beruf des Steuerinspektors bei der „Reichsfinanzierungsverwaltung“ an den Nagel, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Grund für diesen Entschluss war der Erfolg, den er mit seinem ersten Stück „Der Etappenhase“ verzeichnen konnte, ein Schwank, der in zahlreiche andere Sprachen und Dialekte übersetzt wurde und dessen Popularität bis heute ungebrochen ist.

Dass Bunje keineswegs eine „Eintagsfliege“ des Volkstheaters war, bewies er mit weiteren Erfolgsstücken wie „Das Hörrohr“, „Familienanschluss“ und eben „Verteufelte Zeiten“.

„Es ist gar nicht so leicht, sich in den Zeiten der Not, des Hungers, der Bedrängnisse und Bitterkeiten zu einem Lachen durchzuringen“, schreibt Karl Bunje einleitend zu seinem Stück.

Der vitale Humor der Protagonisten und eine pralle Situationskomik schaffen vor dem Hintergrund einer bitteren Zeit jene „schwerelose Heiterkeit“, die schon bei der Uraufführung 1947 der Kritik gefällt und die bis heute ihre Wirkung nicht verfehlt.

Aus: Programmheft Ohnsorg-Theater, 1999/2000

 

Beate Kiupel:

Nach dem Abitur erlernte Beate Kiupel zunächst den Beruf der Indus­triekauffrau. Doch nach Bühnenerfahrungen schon im Schultheater und später dann im Amateurtheater, nahm sie Unterricht an der Schauspielschule Hildburg Frehse. Bereits im letzen Jahr ihrer Ausbildung spielte sie am Staatstheater Braunschweig, dem sie knapp zwei Jahre angehörte und wo sie in Stücken wie „Bluthochzeit“ von Federico García Lorca, „Das Haus in Montevideo“ von Curt Goetz oder Ibsens „Peer Gynt“ auf der Bühne stand.

Ende der 1980er Jahre kehrte Beate Kiupel zurück nach Hamburg. Sie sprach an verschiedenen Bühnen vor, darunter auch das Ohnsorg-Theater. Hier war sie zuerst in einem Weihnachtsmärchen zu sehen. Als zwei Wochen vor der Premiere des Stückes „Een Matjes singt nich mehr“ eine Kollegin erkrankte, sprang Beate Kiupel ein und stand neben Jochen Schenck und Herma Koehn erstmals in einer großen Rolle op Platt auf der niederdeutschen Bühne. Seit 1988 gehört Beate Kiupel fest zum Ensemble des Ohnsorg-Theaters, spielte u.a. die Titelfigur in „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann, war in Schwänken wie den Ohnsorg-Klassikern „Twee Kisten Rum“ und „Tratsch op de Trepp“, ferner in „De Kaktusblüüt“, „Charleys Tante“ oder in dem Musical „Rock op platt“ zu sehen.

Gemeinsam mit ihren Schauspielkollegen Jan Fedder und Jochen Busse stand sie als Moderatorin von Fernsehformaten wie „Nur das Beste“ oder „Lachen macht Spaß“ vor der Kamera, in denen Sketch-Klassiker aus verschiedenen Jahrzehnten präsentiert wurden. Zudem ist Beate Kiupel auch als Sprecherin von niederdeutschen Hörspielen tätig, mit hoch- und plattdeutschen Lesungen gastiert sie in kulturellen Einrichtungen in Norddeutschland und wirkt bei szenischen Stadtrundgängen in ihrer Geburtsstadt Hamburg mit.

 

Der Regisseur:

Anatol Preissler kommt aus einer Theater­fa­milie. Vater Regisseur, Mutter Schauspielerin – da war der Berufsweg des Sohnes eini­ger­­maßen klar vorgezeichnet. Anatol Preissler studierte an der Universität Wien Theat­erwissenschaft, Germanistik und Anglistik. Seit 1995 war er als Regieassistent, Co-Regisseur und Produktionsleiter in über 40 Produktionen in Wien, Salzburg, München, Köln, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Zürich und Australien tätig.

Seit 2001 arbeitet Anatol Preissler als frei­­schaffender Regisseur. Zu seinen Insze­nie­run­gen zählt auch die erfolgreiche deutschsprachige Erstaufführung von Ray und Michael Cooenys „Tom, Dick und Harry“ am Südostbayerischen Städtetheater Landshut. Seit 2004 ist er auch als Übersetzer von Thea­terstücken tätig und seit 2010 künstlerischer Leiter der Festspiele Wangen.

Am Hamburger Ohnsorg-Theater inszenierte Anatol Preissler mit großem Erfolg unter anderen „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney.